Aufregung und Spannung sorgen für Konzentration

Kornwestheim/Korntal-Münchingen Hans-Peter Hurth alias Zauberer Hape hat einen Preis gewonnen. Stefanie Köhler

Schwarzes Jackett, weißes Hemd, weiße Handschuhe, rote Fliege – so kennen die Fans Hans-Peter Hurth alias Zauberkünstler Hape. Recht neu dagegen ist das aktuelle Zauberkunststück des 58 Jahre alten Kornwestheimers, das er beim traditionellen Kleinkunstabend in Korntal-Münchingen vorgeführt hat: Hurth mimt dabei den Kunstexperten und zeigt, wie mit dem Apparatus Compositionem – das ist eine Kompositionsmaschine – das „Maritime Stillleben“ des niederländischen Malers Ari van Delft entstanden ist. Trotz diverser Änderungswünsche des Auftraggebers passt das Gemälde auf wundersame Weise immer in den Rahmen.

Am Anfang hatte Hurth lediglich einen leeren Setzkasten. Im vergangenen Jahr hat er ihn mit dem Heilbronner Schauspieler Andreas Posthoff bestückt und sich eine Geschichte um den fiktiven Ari van Delft überlegt. Zehn Monate lang haben Hurth und Posthoff das Kunststück entwickelt und trainiert. Schließlich bleibe bei einem Auftritt nichts dem Zufall überlassen, sagt der Zauberer Hurth: Jede noch so kleine Bewegung, jedes Zurechtrücken der Brille zum Beispiel sitzt, ist auf die Sekunde genau geplant.

Offenbar hat Hurth alles richtig gemacht, denn das Publikum im ausverkauften Widdumhof in Münchingen belohnt den Zauberkünstler mit dem dritten Preis. Der Sieg geht an das Kraftakrobatik-Duo Paula Passenheim und Jesse Suttles von der Artistenschule Gschwend. Die Zuschauer saugen merklich Luft ein, als Suttles etwa mit den Händen seine Partnerin in die Höhe hält. Sekundenlang steht die junge Frau, die nicht einmal 50 Kilogramm wiegt, barfuß und kerzengerade über Suttles Kopf. Den zweiten Preis erhält der Diabolo-Künstler Stefan Bauer. Der gebürtige Stuttgarter begeistert die Zuschauer mit dem gelben Spielgerät, das er flink übers Seil jongliert und in die Luft wirft.

Der Talentabend des Vereins Komüka ist eine Art Schnelldurchlauf durch möglichst viele Genres der Kleinkunst. Neben Akrobaten treten Musiker ebenso auf wie Tänzer, Zauberer und Jongleure. „Die Veranstaltung hat sich längst über die Region hinaus herumgesprochen“, sagt der zweite Vereinsvorsitzende Rolf Spinner. Was früher ein Geheimtipp war, sei mit der Zeit immer größer, anspruchsvoller und professioneller geworden. Das Interesse von Künstlern an einem Auftritt im Widdumhof sei inzwischen enorm. „Für den diesjährigen Talentabend hatten sich gleich vier Zauberer beworben“, sagt Rolf Spinner. Am Samstagabend verblüffte außer Hape die schwäbische Putzfrau Berta Scheufele die Zuschauer mit Zaubertricks.

Angesichts dessen fühlt Hurth sich umso mehr geehrt. „Es ist schon ein Gewinn, dass ich bei der Veranstaltung dabei sein durfte“, sagt der Zauberer. Mit einem Sieg habe er aber nicht gerechnet. Dafür sei er vor dem Auftritt im Widdumhof so nervös gewesen wie sonst auch vor Auftritten. „Eine gewisse Aufregung und Spannung muss immer da sein. Sonst nimmt man den Auftritt womöglich zu locker und ist unkonzentriert oder macht Fehler“, sagt der Kornwestheimer. Er hofft nun, dass sein neues Zauberkunststück noch bekannter wird. Der Kleinkunstabend hat schließlich schon so manchen Künstler groß herausgebracht.

 

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